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Das Gemälde "Die Rosa Brille" (4)

Die Parallelen

Unter meinen bisherigen Bildern lässt sich die "rosa Brille" nicht einer bestimmten Serie zuordnen, aber gerade mit einigen Bildern aus den letzten Monaten bestehen zum Teil Parallelen. Beginnend mit einem Bild aus dem Sommer 2003, in dem ich versuchte, den Eindruck, den ich über einen Bericht über internationalen Menschenhandel und Prostitution bekommen hatte, in der Wechselbeziehung zwischen einem Freier und einer Prostituierten bildnerisch umzusetzen, lassen sich Gemeinsamkeiten feststellen: Auch hier befindet sich links ein Mann, rechts eine Frau, auch hier zeichnet sich ein Spannungsverhältnis ab, da der Mann der sich abwendenden Frau mit Gewalt zu nähern versucht, mangels anderweitiger Basis für ein zwischenmenschliches Verhältnis wird die oberflächliche Nähe notfalls gegen Bezahlung kurzfristig konsumiert und vorgetäuscht.

Weiterhin wäre eine Reihe von Clownbildern zu nennen, die wie die "rosa Brille" ebenfalls einen das Motiv seelischer menschlicher Beziehungen durch einen Widerspruch darstellen: unglücklich und einsam wirkenden Clowns, die aufgrund ihrer Verkleidung eigentlich zur Freude Anlass geben sollten, wenden sich ebenfalls traurig voneinander ab. Auch bei diesen Bilden fallen leere Augen als Ausdruck eines unglücklichen Zustandes auf. Hier ist allerdings keine Kritik oder Lösung, sondern eben nur ein Zustand, eine Stimmung erkennbar. Ich wählte die Clowns einerseits wegen ihrer dekorativen Erscheinung, andererseits wegen dem Reiz einer nicht auf den ersten Blick zu vermutenden psychologischen Verbindung zwischen dem weißen Clown und dem "dummen August“. Nachdem ich einige Clownbilder fertig gestellt hatte, war mir aber auch bewusst, dass die Idee zur Darstellung einer – wenn auch interessant scheinenden – menschlichen Beziehung nicht "entliehen" werden darf. Statt dessen suche ich nun verstärkt – wie in der "rosa Brille" – weiter nach einem Ausdruck, der auf eigenen Grundfragen und -eindrücken beruhen.

In weiteren Werken aus der jüngsten Zeit verwendete ich wie im vorliegenden Gemälde des öfteren den Effekt der gespritzten Ölfarbe in Verbindung mit gespachtelten bzw. gekratzten oder lasierten Farbschichten. Die dadurch entstehende Textur bringt interessante Effekte mit sich, die ich auch in nächster Zeit noch weiter gezielt verwenden werde. Das Bild der „rosa Brille“ könnte nach Stil und Technik Anlass für eine Serie ähnlicher Gemälde werden, die rosa Brille als Symbol für die fehlgeleitete Suche nach dem Glück wird allerdings ein Einzelwerk bleiben.

Als Künstler wünscht man sich für seine Bilder natürlich einen Platz, an dem viele Menschen damit konfrontiert werden. Und vielleicht hebt dann der ein oder andere mit spitzen Fingern seine Brille vor die Augen, um das Bild zu betrachten und sich dabei selbst als den Mann auf den Bild wiederzuerkennen.

(Juni 2004)

 
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© 2009 Sascha Müller | SitemapImpressum