Interviews:
Das Gemälde "Die Rosa Brille" (3)
Die Umsetzung
Als kompositorische Komponente beabsichtigte ich ein Hervorheben der Diagonale von rechts unten nach links oben durch den Unterarm der Frau am rechten Bildrand und dem unterem Ärmelrand des Sakkos des Mannes am linken Rand. Durch den rechten Unterarm und die Hand des Mannes wird diese Diagonale (und damit letztlich der Blick des Betrachters) weiter über den Kopf des Mannes mit der Brille zum Kopf der Frau weitergeführt. Dieser kompositorischen Konzentration in der oberen Bildhälfte soll durch den voluminösen roten Rock der Frau ein Gleichgewicht im unteren Bildbereich entgegengesetzt werden. Durch das Rot der Haare und des Rocks der Frau und das Gelb der Haare und des Anzugs des Mannes wird eine Verknüpfung zwischen oben und unten hergestellt. Zudem stellen die großflächig und vorwiegend verwendeten Primärfarben Rot, Blau und Gelb ein sich ergänzendes farbliches Wechselspiel dar. Die andere Diagonale von links unten nach rechts oben wird durch die Anordnung der Hintergrundformen nur angedeutet. Ein weiteres Element des Bildaufbaus findet sich in der Mitte des Bildes: Hier formen der Bauch des Mannes und das Oberteil der Frau mit der Brustwölbung einander ergänzenden Gegenformen. Die vom Bildrand beschnittenen Körper sollen ferner den Eindruck eines spontanen, zufälligen Bildausschnittes entstehen lassen.
Für die beabsichtigte Komposition schien das Hochformat die geeignete Form zu sein, um die aufragenden Gestalten am besten zu betonen. Insbesondere die Höhe des Bildes von 130 cm bei 80 cm gab ein ungewöhnlich länglich wirkendes Format ab. Bei der Technik verwendete ich "klassische" ebenso wie "moderne" Maltechniken. Neben der Herausarbeitung der Licht- und Schattenwirkungen durch Übermalung mit Lasurschichten ist auch ein "gröberer" Umgang mit der Farbe durch Abschaben, Kratzen sowie Spritzen und Verlaufenlassen verflüssigter Farbe zu erkennen. Auch die Kombination der genannten Arbeitsweisen machte ich mir zunutze (so ist der Anzug des Mannes beispielsweise mit Farbspritzern übersät, die teilweise verwischt und verkratzt, teilweise anschließend lasierend übermalt wurden). Um den Hauptgegenstand des Bildes, die rosa Brille, deutlich genug hervortreten zu lassen, wählte ich eine farbige, aber gedeckte Palette, in der die rosafarbenen Brillengläser als leuchtende Punkte herausstrahlen sollten.
Als mögliche Inspirationsquellen neben dem bereits erwähnten Max Beckmann, der in der Ausdruckskraft seiner Symbolik als Vorbild diente, sind bei der Entstehung des Bildes Otto Dix und Georg Grosz (bezüglich der düsteren Charaktere und Stimmungen), Amedeo Modigliani (bezüglich der gestreckten Gliedmaßen und der ausgehöhlt erscheinenden Augen) und Jackson Pollock (im Hinblick auf den expressiven Einsatz der Ölfarbe, insbesondere durch Bespritzen der Leinwand) zu nennen. Unter den Kunststillen des 20. Jahrhunderts können auch kubistische Elemente im Bildhintergrund in Betracht gezogen werden.
< 1 2 3 4 >