Sascha Müller | Malerei
Künstler des Monats
Interview mit dem Online-Kunstportal Art-Area.hu
- Auf welchem Weg wurdest du Maler?
- Auf Umwegen! Obwohl ich bereits als Kind begeistert zeichnete und malte, ist die weitere Geschichte meiner Wandlung zum Maler eher ungewöhnlich. Den "am Hungertuch nagenden Künstler" kannte ich aus meiner unmittelbaren familiären Umgebung. Das brachte mich - sozusagen als Jugendsünde - zu der Entscheidung, ein Studium aufzunehmen: ein Jurastudium¦ Leiden statt Leidenschaft! Aber als ich 27 wurde, schenkte mir eine gute Fee aus dem Nachlass eines Malers einen vollständigen Ölmalkasten mit feinsten Farben und fast auf einen Zauberschlag kehrte ich zurück zu meiner wirklichen Berufung. Seitdem zieht mich dieser Weg magnetisch an.
- Hattest du Vorbilder, als du zu malen anfingst?
- Auf jeden Fall! Zunächst hatten die französischen Fauves und die Expressionisten die größte Wirkung auf mich, später die Werke der "Neuen Sachlichkeit" und auch die Maler der "Art Brut" betrachte ich als Lehrmeister.
- Wie kommt ein Münchner Maler nach Budapest?
- Einerseits aus Abenteuerlust, andrerseits über die kulturelle Verbindung mit Künstlerfreunden in Ungarn. Mein endgültiger Umzug hierher wurde wesentlich bestimmt aufgrund meines Studiums an der Kunstschule in Óbuda, wo meine Lehrer József Baksai und Gábor Roskó waren. Als ich 2005 in die Ungarische Künstlervereinigung (MAOE) aufgenommen wurde, war dies eine große Anerkennung und Bestärkung, dass ich mich tatsächlich auf dem richtigen Weg befinde. So scheint sich die Einstellung zu bestätigen, dass es die Bestimmung des Menschen ist, das zu werden, was er werden muss, um sein Schicksal zu erfüllen. Selbst dann, wenn er sich zuvor auf Umwegen befindet und auf den Startschuss wartet.
- Welche Sichtweise hast du als aus Deutschland stammender Künstler bezüglich der Situation der Kunst in Ungarn?
- Ich finde, dass zum Beispiel die ungarischen Maler in Westeuropa völlig zu Unrecht zu lange im Schatten standen und stehen; in Ungarn gibt es sehr viele ausgezeichnete und begabte Künstler. Budapest könnte sich heute ähnlich wie Leipzig oder Warschau das Ziel setzen, eine der Hauptstädte der europäischen Kultur zu werden. Zum Glück gibt es eine Tendenz, dass auch zwischen Ungarn und Deutschland immer mehr kulturelle Ereignisse stattfinden. Die mehrsprachigen ungarischen Künstlerwebseiten, wie art-area.hu, tragen sehr dazu bei, auch jenseits der Grenzen die Aufmerksamkeit nachhaltig auf die Künstler in Ungarn zu lenken. Meine Bilder wurden übrigens - natürlich ganz vorurteilsfrei - in Deutschland schon als "ungarisch", in Ungarn als "deutsch" qualifiziert.
- Ist für dich die figürliche Darstellung eine besonders wichtige Ausdrucksform?
- Eindeutig. Es ist bei mir ein inneres Bedürfnis, das Figürliche in den Vordergrund zu stellen - was auch seit einiger Zeit in der Gegenwartskunst wieder größeres Gewicht erhalten hat. Für mich ist es die wichtigste Aufgabe eines Gemäldes, dass es in einen Dialog mit dem Betrachter tritt. Und die Kommunikation durch das bloße visuelle Erleben ist noch nicht ausreichend! Ich möchte dem Publikum auch vermitteln, was das Bild mitzuteilen hat. Dazu habe ich bislang kein besseres Mittel gefunden als die figürliche Darstellung. Natürlich darf die Aussage des Bildes nicht plakativ sein, und es ist großartig, wenn es so viele Assoziationen gibt wie Betrachter. Das Wesentliche ist, dass der Betrachter des Bildes nicht an der Oberfläche bleibt, sondern spürt, dass der Künstler darüber hinaus etwas mitteilen möchte, sodass sich weitere Türen in die Tiefe der Wirklichkeit öffnen, die das Gemälde zu öffnen hilft. Mich interessiert nicht, dass jeder das Gleiche wahrnimmt, sondern dass mein Bild Gedanken und Gefühle entstehen lässt. In letzter Zeit male ich verstärkt Menschen und Tiere, wovon ich mir die möglichst intensive Gefühlswirkung erhoffe. Das Ziel ist doch letztlich, dass die Kunst die in den Menschen vorhandene Ahnung von der Existenz anderer Dimensionen berührt.
- Wann ist aus deiner Sicht ein Bild fertig?
- Ich denke, man muss ein Bild nicht unbedingt "fertig" malen, sondern vielmehr in einer besonders interessanten Phase aufhören.
(Februar 2009)

